Der COT Report (Commitments of Traders) ist der wöchentliche Bericht der CFTC, der US-Aufsichtsbehörde für Derivate. Er zeigt, wie sich die offenen Futures-Positionen auf verschiedene Händlergruppen verteilen. So siehst du etwa, ob Fonds bei steigenden Kursen Longs aufbauen oder sie still reduzieren. Er erscheint freitags mit den Daten vom Dienstag davor: ein Werkzeug, um die Positionierung über mehrere Wochen zu verfolgen, nicht für das Timing im Intraday-Handel.
Was der Bericht enthält
Der COT teilt das Open Interest, also die noch offenen Kontrakte, auf die Kategorien des jeweiligen Formats auf. Es gibt reine Futures-Berichte und kombinierte Berichte für Futures und Optionen.
Open Interest ist nicht Volumen. Das Volumen zählt die Transaktionen der Woche; der COT ist eine Momentaufnahme der offenen Positionen am Stichtag. Ein Markt kann viel handeln, ohne dass die offenen Positionen entsprechend steigen.
Wann er erscheint und was das für dich bedeutet
Die CFTC veröffentlicht den Bericht freitags um 15:30 Uhr New Yorker Zeit, mit Daten vom Dienstag derselben Woche. In Deutschland ist das gewöhnlich 21:30 Uhr; in den Wochen mit unterschiedlichen Zeitumstellungen in den USA und Europa kann es abweichen. Feiertage können die Veröffentlichung verschieben: Maßgeblich ist der CFTC-Kalender.
Zwei praktische Folgen:
- Wenn du einen frischen Bericht liest, siehst du eine drei Tage alte Positionierung.
- Im Backtest sind die Daten erst ab dem tatsächlichen Veröffentlichungszeitpunkt des Berichts nutzbar, nicht ab Dienstag. Wer sie früher verwendet, entscheidet mit Informationen, die es damals noch nicht gab.
Die Händlerkategorien
Jedes Format verwendet eine eigene Einteilung.
| Format | Hauptkategorien | Märkte |
|---|---|---|
| Legacy | Commercial, Non-Commercial, Nonreportable | Alle |
| Traders in Financial Futures (TFF) | Dealer/Intermediary, Asset Manager/Institutional, Leveraged Funds, Other Reportables, Nonreportable | Währungen, Indizes, Zinsen |
| Disaggregated | Producer/Merchant/Processor/User, Swap Dealers, Managed Money, Other Reportables | Rohstoffe |
Einige hilfreiche Klarstellungen:
- Leveraged Funds umfasst Hedgefonds und andere gehebelte Strategien, Asset Manager institutionelle Vermögensverwalter.
- Nonreportable sind die Positionen von Händlern unter der Meldeschwelle, errechnet als Differenz zum gesamten Open Interest.
- Managed Money und Non-Commercial sind keine zwei Namen für dieselbe Reihe, sondern stammen aus unterschiedlichen Formaten.
Die Kategorie spiegelt die überwiegende, selbst angegebene Geschäftstätigkeit wider, nicht den Grund für eine einzelne Position. Die CFTC selbst kennt diese Gründe nicht. Der Short eines Produzenten kann ein Geschäftsrisiko absichern, der eines Fonds spekulativ oder Teil einer Relative-Value-Position sein.
Long, Short und Nettoposition
Die Nettoposition ist die Differenz aus Longs und Shorts einer Kategorie.
| Woche | Long | Short | Netto |
|---|---|---|---|
| 1 | 80.000 | 50.000 | +30.000 |
| 2 (Szenario A) | 90.000 | 50.000 | +40.000 |
| 2 (Szenario B) | 80.000 | 40.000 | +40.000 |
In beiden Szenarien steigt die Nettoposition um 10.000 Kontrakte, aber aus entgegengesetzten Gründen: In A kamen Longs hinzu, in B wurden Shorts abgebaut. Deshalb lohnt sich neben der Nettolinie auch der Blick auf die beiden Einzelreihen.
Auch eine negative Nettoposition kann sich verbessern. Von −40.000 auf −20.000 heißt, dass sich das Short-Übergewicht halbiert hat, obwohl es negativ bleibt. Das Vorzeichen zeigt, wohin die Gruppe tendiert; die Veränderung, in welche Richtung sie sich bewegt.
Positionierung und Kurs vergleichen
- Bestätigung. In einem Anstieg bauen die Händler der beobachteten Gruppe über mehrere Wochen Longs auf.
- Divergenz. Der Kurs markiert neue Hochs, während die Gruppe Longs reduziert. Das ist ein Grund zum Nachforschen, kein Wendetermin.
- Historische Extreme. Eine sehr einseitige Positionierung zeigt, dass eine Seite bereits stark besetzt ist. Den anschließenden Abbau zu verfolgen ist nützlicher, als eine zwangsläufige Wende anzunehmen.
Zwei Fehler, die du vermeiden solltest:
- Die Reihe mitten im Vergleich wechseln. Der Wechsel in eine andere Kategorie oder von reinen Futures zu Futures und Optionen verändert, was du misst.
- Die Notierung vergessen. Währungs-Futures notieren gegen den Dollar: Der Euro-Future folgt EUR/USD, der Yen-Future dem Kehrwert von USD/JPY. Notiert dein Paar umgekehrt, kehrst du auch die Richtung um.
Der Einstieg bleibt an den Kurs und deine Methode gebunden: Der COT liefert Kontext.
Der COT Report in DeepView
In DeepView vergleichst du Long-, Short- und Nettoreihen der verfügbaren Kategorien, siehst mehrere Jahre Historie und prüfst in der Tabelle die Zahlen einzelner Wochen. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung findest du unter COT Report in DeepView lesen.
Du kannst ihn mit der Saisonalität kombinieren, die zeigt, wie sich ein Markt im selben Zeitraum verschiedener Jahre verhalten hat, und mit der Volatilität nach Handelssitzung.

Häufige Fragen
Bilden die COT-Daten zu Währungen den ganzen Forex-Markt ab?
Nein. Sie betreffen in den USA gelistete Futures (und Optionen auf Futures), nicht Positionen am Forex-Kassamarkt. Trotzdem sind sie ein nützlicher Indikator dafür, wie bestimmte Händlergruppen positioniert sind.
Welche Kategorie sollte ich verfolgen?
Das hängt von deiner Frage ab. Für Finanzmärkte verfolgen viele Trader Leveraged Funds und Asset Manager im TFF-Format, für Rohstoffe Managed Money im Disaggregated-Format. Wichtig ist, beim Wochenvergleich bei derselben Reihe zu bleiben.
Kann ich den COT für Einstiege nutzen?
Der Bericht erscheint wöchentlich und ist bei Veröffentlichung drei Tage alt. Er dient dem Kontext, nicht dem Einstiegszeitpunkt.
Nur zu Informations- und Lernzwecken, keine Anlageberatung. Der Handel mit Hebel ist mit einem hohen Verlustrisiko verbunden.



